Auf den ersten Blick tut sich ein dichtes Gewebe von Formen und Farben auf. Flüchtige Wolken über einer dunklen Wüste, einer Mondlandschaft gleich, rätselhafte Strukturen auf einem Hochplateau in den Anden, durch Mauern eigenartig geteilte Felder an den Hängen des Himalaja? Doch der Eindruck, wie ein Vogel über ferne Landschaften zu schweben, hält nur kurz an, die Gestalten lösen sich rasch auf. Sofort behauptet sich die Malerei in ihrer Eigenständigkeit und weist mit Entschiedenheit jeden Bezug zu einer außerhalb des Bildes liegenden Realität zurück. Was wir sehen, ist die Malerei selbst.
Auf ihren fast täglichen Streifzügen entlang des Rheins sammelt Roswitha Buhmann Steine und Sand. Die Steine werden mit starkem Eisendraht bezwungen, bis sie schließlich wie federleicht schwebende Skulpturen anmuten oder wie selbstverständliche Strukturen am Boden liegen. Was vom Spiel der Kräfte der Natur übrig blieb, wird so in Kunst transformiert, einer kräftigen Komposition unterworfen, und bleibt doch Stein und Metall.
Ähnlich verhält es sich mit der Malerei von Roswitha Buhmann. Sie trägt Sand mit einer speziellen Mischung aus Leim und Kreide auf die grundierte Leinwand auf und verarbeitet in den noch feuchten Sand hinein ihre Eindrücke. Die kräftigen Striche, mit sicherer Hand geführt, verselbständigen sich, die Tageseindrücke konkurrieren als Inspiration mit dem Eigensinn des Materials. Der Bildaufbau wird bei jedem Bild neu entwickelt und fügt sich doch der klaren und aussagekräftigen Handschrift der Künstlerin, Serien entstehen. Die Bilder sind von eigentümlicher Schönheit und Ruhe. Im Schlaglicht indes drängt der Sand an die Oberfläche, als hätte die Malerin ihn gar nicht zu bändigen vermocht, als lebte er, wie die Natur und ihre Figuren, sein eigenes Leben.
Dr. Benedikt Erhard
Kulturreferat Land Tirol